Seltsame Fußballer: "Voodoo-Horst" und der Gartenstuhl
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Von Andreas Bock Spiegel Online Sport 14.04.2010
Penis-Kunststücke, Weltuntergang und ein Trainer, der auf die Kraft des Gartenstuhls setzte: Manch ein Glaube oder Irrglaube treibt Menschen zu ziemlich seltsamen Dingen. Das Magazin "11FREUNDE" hat die Top Ten der entrücktesten Fußballer zusammengestellt.
1. Herz der Sonne
Lars Elstrup war einst ein herausragender dänischer Fußballer. 1991 rettete er mit seinen Toren Luton Town vor dem Abstieg, 1992 wurde er Europameister. Doch dann trat er der Sekte "Solens Hjerte" ("Herz der Sonne") bei. Elstrup änderte seinen Namen in "Darando", was so viel heißt wie "Fluss, der ins Meer fließt", und zog mit 20 Jüngern auf die Insel Fünen. Später wurde er aus der Sekte geworfen, weil er sich in der Fußgängerzone in ein Seil eingewickelt hatte und Schuljungen Kunststücke mit seinem Penis vorführte. Das wahre Gesicht der Sekte hatte Elstrup da schon erkannt: "Sie sind unmenschlich, und sie haben sogar Devi, meinen Dachshund, gestohlen. Ich werde vor dem Europäischen Gerichtshof klagen."
2. Hare Krishna
Miljenko Kovacic beendete 1998 seine Karriere. Als Mitglied der Hare Krishna hatte er die verderbende Wirkung des schnöden Mammons erkannt: "Geld ist die Wurzel allen Übels." Die Verantwortlichen seines Clubs Brecia Calcio versuchten ihn zwar zur Rückkehr zu überreden, doch sie hatten keinen Erfolg. Kovacic ließ den Funktionären ausrichten: "Ich möchte beten, Felder pflügen und Kühe melken. Mein Großvater wird mir dabei helfen."
3. Siebenten-Tags-Adventist
"Gott ist mehr wert als zehn Millionen Dollar", sagte Carlos Roa vom RCD Mallorca, nachdem ihm ein Angebot in eben dieser Höhe von Manchester United vorgelegt wurde. Wenige Wochen später trat Roa den "Siebenten-Tags-Adventisten" bei und beendete seine Karriere. Hauptgrund: Die Freikirche betrachtet den Samstag, Spieltag in allen europäischen Profiligen, für heilig. Nebengrund: Roa glaubte, dass die Welt am 31. Dezember 1999 untergehen würde. Irgendwann um den 1. Januar 2000 herum entschied er sich, wieder Fußball zu spielen.
4. Verschwörungstheoretiker
Aufgrund einer rheumatischen Arthritis musste Coventry-City-Torhüter David Icke seine Karriere schon mit 21 Jahren beenden. Er wurde Reporter für die BBC und widmete sich der Zugbeobachtung ("Trainspotting"). Nach einem Treffen mit dem "Medium" Betty Shine stellte er eine Reihe von argumentativ gut unterfütterten Theorien auf: Er selbst sei der wahrhaftige Sohn Gottes und seine Frau ein Engel. Darüber hinaus werde die Welt von blutsaugenden Reptilien in Menschengestalt regiert. George Bush, Hillary Clinton, Henry Kissinger, sogar Sänger Kris Kristofferson: alle Reptilien.
5. Protestant
Der brasilianische Keeper Claudio Taffarel war auf dem Weg zur Vertragsunterzeichnung in Empoli, als er Gott traf. Auf der Autostrada 1 hatte sein BMW einen Motorschaden. Taffarel erkannte die Havarie als eindeutiges Zeichen von ganz oben: "Gott wollte, dass ich meine Karriere beende - wie das Auto." Gott wollte dann außerdem noch, dass Taffarel ein Restaurant eröffnet - ER und er entschieden sich später allerdings um: Taffarel wurde Torwarttrainer und dann Spielervermittler.
6. Katholik
Auf dem Platz gab Taribo West gerne mal den Bruder Leichtfuß. Abseits war er eher der beharrliche Typ: Bei Derby County forderte er von allen Mitspielern ein Kabinengebet. Seinen Weggang zu Inter Mailand begründete er so: "Gott sagte mir, ich sollte Derby helfen. Also tat ich es. Nun kann ich weiter." Bei Inter durfte er allerdings nicht so häufig ran, deshalb polterte in einem Interview: "Gott sagte mir, ich muss spielen." Trainer Marcello Lippi antwortete: "Oh, da hat Gott mir was anderes gesagt."
7. Zeuge Jehovas
Mit 22 lag Peter Knowles die Fußballwelt zu Füßen: Für die Wolverhampton Wanderers hatte Knowles in 91 Spielen 64 Tore erzielt, die Presse pries ihn als "Jahrhunderttalent", er war längst auch ins Blickfeld von Alf Ramsey für die WM 1970 gerückt. Doch dann standen eines Tages zwei Mitglieder der Zeugen Jehovas vor seiner Tür: "Sie beantworteten mir Fragen, die mir zuvor noch nie jemand beantwortet hatte." Die Wanderers hofften zwölf Jahre auf Knowles' Rückkehr und lösten seinen Vertrag erst 1982 auf.
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